Schlag sie fest in die Erde, die Stabilität.

Es ist ein sonniger Märztag im 2020. Ich laufe durch unsere Rebparzellen und kontrolliere alle Reben, Stickel, Pfähle. Ich rüttle an ihnen allen. Sind sie fest verankert? Wo braucht es noch einen Hammerschlag? Wo muss ich einen morschen Pfahl ersetzen? Drähte spannen. Fehlende Agraffen ersetzen.

Es ist nicht die Lieblingsarbeit von uns Winzern. Mühsam, streng, aufwändig. Doch wir wissen genau: Je sorgfältiger wir die Arbeit jetzt machen, desto besser sind wir gerüstet für die kommenden Monate. Für die kommenden Stürme. Bei der maschinellen Belastung.

Die Arbeit im Vorfeld dient einem einzigen Ziel:
Stabilität herstellen.
Stabilität sicherstellen.
Damit wir gewappnet sind
Gegen die Stürme.
Die kommen werden,
mit Sicherheit.

Während ich alle unsere Rebberge ablaufe, in der linken Hand der Fäustel, rechts die Ersatzstickel, rollt die weltweite Krise immer drohender auf uns zu.

Draussen in der Welt gerät alles ins Wanken. Schritt für Schritt müssen wir unsere so geliebte Stabilität ziehen lassen. Was gestern noch fest verankert war, kann heute schon wackeln.

Meine Gedanken kreisen. Fester als nötig schlage ich Stickel und Pfahl ein, tiefer in die Erde. So also könnte ich dadurch die ganze Stabilität der Welt sichern. Und ich merke: Das TUN hilft. Das Gefühl, dass ich mit all meinen körperlichen Kräften etwas dafür getan habe, hilft mir.

Vom Gedanke
über die Hände
durch den Körper
ins Gemüt.

Carina Lipp-Kunz

Ich habe diese Gedanken vor einem Jahr notiert. Dass sie heute, ein Jahr später, noch eine ähnliche Gültigkeit haben, stimmt mich etwas nachdenklich.

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Hoffnung auf Austrieb schlummert im Innern.

An diesem grünen Trieb, diesem feinen, sanften Trieb, hängt unser ganzen Leben. Das Geld für die Krankenkasse, die Investition für die neue Weinpresse, das warme Essen auf dem Familientisch.

Dieser sanfte, grüne Trieb ist unser Lohn, unser täglich Brot. Das kann und darf nie selbstverständlich werden. Die Frostnächte vor vier Jahren, Ende April, haben es mich gelehrt. Und noch etwas haben sie mich gelehrt:

Hoffnung auf Austrieb. Solange der Lebenssaft schlummert im Rebstock, gibt es immer Hoffnung. Auf Austrieb. Auf Auftrieb. Auf neues Leben.


Dass wir heute einen 2017er Pinot trinken können, haben wir Winzer damals kaum mehr erwartet. Aber gehofft.

Hoffnung bedeutet Leben. Überleben.

Die Natur hat damals, im Frost-Frühling, eine unglaubliche Kraft entwickelt, und einen zweiten Austrieb geschafft.

Danke für diese Erfahrung, Wunder Natur.

 

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